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Kangaroo Island bildet sozusagen den Abschluss unserer Reise - lassen wir mal den Fahrt-/Flugtag und den letzten Tag in Sydney außen vor. Vor Antritt der Reise habe ich mich auf Kangaroo Island am Meisten gefreut und mir viel davon versprochen, und ich kann vorwegnehmen, dass es die Erwartungen noch übertroffen hat - ein Traumziel. Doch von Anfang an - aus den Grampians kommend haben wir eine Zwischenübernachtung in Middleton, in der Nähe von Victor Harbor, South Australia, eingelegt. Zum einen liegt da eine Strecke von 520 Kilometern dazwischen, zum anderen fährt die Fähre nach Kangaroo Island "nur" je zweimal vormittags und nachmittags - zumindest in unserer Reisezeit. Die Fähre haben wir weit im Voraus von Deutschland aus bereits gebucht und das war auch gut so, denn die Kapazität auf der Fähre ist durchaus begrenzt - nicht zuletzt, da auch diverse große LKW mit auf die Fähre müssen, gibt es doch keine andere Möglichkeit, Waren oder Tiere auf bzw. von der Insel zu transportieren. Das "Beladen" der Fähre ist dann recht abenteuerlich. Man wird gelotst, rückwärts auf die Fähre zu fahren und dort dann etwa 1-2 cm (in Worten: Zentimeter) Abstand zum Vordermann bzw. in meinem Fall auch zur Klappe der Fähre zu haben. Es gab Asiaten, die die Mitarbeiter der Fährgesellschaft die Fahrerei haben machen lassen.






Auf Kangaroo Island haben wir uns für 3 Nächte ein Haus in Emu Bay gemietet. Das war generell eine tolle Entscheidung, da wundervoll ruhig gelegen und wirklich schön ausgestattet - alleine es hätte gerne länger sein dürfen😊. Wir haben uns bei der Anreise dafür entschieden, die Fähre mittags zu nehmen, um genug Zeit zu haben und nicht in Stress zu geraten. Obwohl die Überfahrt nur 45 Minuten dauert, ist dadurch der Tag doch eher ein "verlorener" Tag - von Penneshaw, an der Anlegestelle auf Kangaroo Island, bis nach Emu Bay braucht man ca. 1 Stunde, wir mussten noch Lebensmittel einkaufen und wollten Fahren im Dunkeln auch unbedingt vermeiden. So bleibt für heute, sich etwas die Emu Bay anzuschauen und einen kleinen Geheimtipp anzulaufen, den ich im Internet gefunden habe - die Red Banks. Die farbigen Felsen, die genau an der gegenüberliegenden Küste des Örtchens American River liegen, bieten ein Farbenspiel der Extraklasse. So leuchten die Felsen – vor allem im Sonnenschein – in ihren strahlendsten Farben. An den Felsen vermischen sich verschiedene Ocker- und Brauntöne, die für ein gestreiftes hübsches Farbkostüm sorgen. Die Anfahrt erfolgt über recht abenteuerliche Wege, die gefühlt noch kein Tourist je befahren hat - Afrika-Feeling!






Heute widmen wir uns den Großteil des Tages dem Flinders Chase National Park. Der Park liegt ganz im Südwesten der Insel und ist von unserer Unterkunft doch immerhin 1:15 h entfernt. Hier müssen wir auch Eintritt bezahlen, was wir inzwischen in Australien gar nicht mehr gewohnt sind. Tun wir aber natürlich gerne, wir wissen ja, dass das Geld zum Erhalt des Parks und der Infrastruktur dringend gebraucht wird. Vom schön gestalteten Visitor Center fahren wir als Erstes zur Cape Du Couedic Lightstation, einem Leuchtturm mit schönem Blick aufs Meer. Wenige Meter weiter gibt es den malerischen Admirals Arch und den Fur Seal Lookout. Was für ein toller Ort! Der Admirals Arch ist ein natürlicher Felsbogen mit Ausblick aufs Meer. Alleine dieses meisterliche Kunstwerk der Natur ist schon einen Besuch wert. Doch das Beste kommt noch! Neuseeländische Seebären setzen dem schönen Bild das “i-Tüpfelchen” auf. Sie leben am Fuße der Höhle und der Umgebung. Auch am Fur Seal Lookout, der sich einen kleinen Fußmarsch vom Parkplatz aus befindet, kann man die Ohrenrobben-Art aus nächster Nähe beobachten. Ein super schönes Fleckchen Erde und absolute Top Sehenswürdigkeit auf Kangaroo Island!







Über Weirs Lookout geht es weiter zu den Remarkable Rocks. Hoch über dem Meer bilden die beeindruckenden Felsen eine Ansammlung von Granitblöcken, die scheinbar labil übereinander balanciert sind. Dieses faszinierende Naturdenkmal wurde über einen Zeitraum von rund 500 Millionen Jahren durch die erosive Kraft von Wind, Gischt und Regen geformt. Die gold-orangen Flechten, die einige der Felsen bedecken, bieten Besuchern zu verschiedenen Tageszeiten herrliche Fotomotive. Informationstafeln erläutern die Entstehungsgeschichte dieser außergewöhnlichen Felsformationen. Eine barrierefreie Aussichtsplattform ermöglicht einen guten Blick auf die Umgebung. Zudem bietet das Areal einen hervorragenden Standort, um die fotogenen Casuarina Islets zu betrachten. Für mich - aus fotografischer Sicht - eines DER Highlights der ganzen Reise. Cordu hat keine Lust zwischen den Felsen umher zu klettern, und so mache ich mich alleine auf den Weg.







Direkt am Parkeingang, in der Nähe des Visitor Centers, starten ein paar vielversprechende kleinere Walks, auf denen man mit etwas Glück Wildlife sehen kann. Wir sind leider etwas unter Zeitdruck, da wir für den Spätnachmittag noch eine Tour im Seal Bay Conservation Park gebucht haben. 3 Übernachtungen auf der Insel haben sich als doch recht knapp bemessen herausgestellt. So haben wir nur wenig Hoffnung, hier nochmal Tiere in freier Wildbahn zu sehen, zumal es eigentlich nicht die richtige Tageszeit ist. Aber, siehe da, wir haben großes Glück - sitzt da doch in einem Eukalyptusbaum nahe des Weges und kaum 2 Meter über dem Boden ein großer Koala und futtert gemütlich seine Blätter. Besser kann man ihn nicht fotografieren! Zufrieden mit unserer Sichtung laufen wir noch etwas weiter und tatsächlich spotten wir auch noch zwei Kangaroos auf dem Weg.
Das ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, um mal allgemein über das Thema Kangaroos auf der gleichnamigen Insel zu sprechen. Im Vorfeld hatte ich schon von einigen Reisenden gelesen, dass es auf der Insel mehr tote als lebendige Tiere zu sehen gibt. In Deutschland hatte ich das noch als apokalyptisch abgetan - leider hat sich herausgestellt, dass das absolut der Realität entspricht! Am Straßenrand findet man förmlich alle paar hundert Meter ein totes Kangaroo oder Wallaby. Die Tiere kommen eben in der Dämmerung aus ihren Verstecken und Autos müssen auch um diese Zeit auf den Straßen fahren - so kommt es zu diesen Unfällen. Das war wirklich ein sehr trauriger und deprimierender Anblick!







Eine weitere Hauptattraktion von Kangaroo Island ist mit Sicherheit die Seelöwenkolonie am weißen Traumstrand von Seal Bay. Gegründet wurde der Seal Bay Conservation Park im Jahr 1972 und erstreckt sich nicht nur auf dem Land, sondern auch noch einige Kilometer weit in Meer als Aquatic Reserve. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Tiere hier zu beobachten - ein schön gestalteter Boardwalk ermöglicht es allen Besuchern (auch Rollstuhlfahrern) recht nah an diejenigen Tiere zu kommen, die sich die Dünen hinauf gerobbt haben, um dort ein Nickerchen zu machen und sich aufzuwärmen. Man kommt über den Boardwalk auch an eine Stelle oberhalb des Strandes, wo man mehr Tiere sehen kann. Die beste Möglichkeit ist allerdings, eine geführte Tour mit einem Ranger direkt am Strand zu buchen. Hierbei ist man wirklich zwischen den Tieren - dabei verhalten sich die Jungtiere ein wenig wie Hunde, sie kommen auf die Menschen zugestürmt, um mal zu testen, ob denn wohl einer mit ihnen spielt (was natürlich streng verboten ist). Dann tun sie so, als könnten sie kein Wässerchen trüben - zum Brüllen. Da vor dem Vergnügen bekanntlich in der Regel noch die Arbeit kommt, hatten wir hier auch ein etwas anderes Erlebnis. Nachdem auch wir zunächst den Boardwalk gegangen und wieder kurz vor dem Visitor Center aufgeschlagen sind, schlängelt doch tatsächlich eine 1,50 Meter lange schwarze Tigerschlange von links nach rechts über den Weg. Überflüssig zu erwähnen, dass sie hochiftig ist.










An unserem letzten Tag auf Kangaroo Island sind wir noch ein wenig kreuz und quer gefahren, haben in der Emu Ridge Eucalyptus Oil Distillery ein paar Souvenirs auf Basis von Eukalyptusöl gekauft und sind in die Stokes Bay gefahren, wo man sich durch enge Felsspalten quetschen muss, um an den Beach zu gelangen. Rechterhand vom Parkplatz, vorbei am Picknick-Shelter beginnt ein Tunnel zwischen riesigen Steinen. Wir schlängeln uns immer weiter durch den engen Gang zwischen den massiven Kalksteinfelsen, der teilweise wie eine Sackgasse aussieht. Aber aufgeben ist keine Option. Am Ende des Ganges öffnet sich der Blick auf einen unglaublich schönen Strand. Es lohnt sich, durch den Felsentunnel zu schlängeln, um zum Strand zu gelangen.









Kangaroo Island ist von nur wenigen asphaltierten Hauptstraßen durchzogen. Verlässt man diese, so kommt man sich vor, wie in Afrika - staubige, menschenleere Schotterpisten - und plötzlich ein Verkehrsschild.




Fazit
Das Fazit zu dieser Reise kann alles in allem nur durchweg positiv ausfallen! Natürlich gab es auch Dinge, die - sagen wir mal - schwierig waren. Die lange Anreise mit der großen Zeitverschiebung fällt uns zunehmend schwerer, das Essen ist in Australien eher britisch und damit wenig abwechslungsreich und ja, es gibt giftige Tiere. Lässt man all das mal außen vor, so hat alles wirklich bestens geklappt. Die meisten Unterkünfte waren klasse, mit dem Mietwagen und der Fahrerei - mit im Wesentlichen erträglich langen Etappen - gab es keine Probleme, die Jahreszeit war sehr gut gewählt - sowohl hinsichtlich des Wetters und der damit einhergehenden Temperaturen, als auch hinsichtlich der Touristenmassen, die eigentlich nur an Ostern in Sydney wirklich auffällig waren.
Als Menschen, die das Meer lieben, haben uns die vielen (fast) menschenleeren Strände mit der tollen Brandung natürlich besonders gut gefallen. Auch die Tierwelt hat uns nicht enttäuscht, das war ja schon ein wesentlicher Bestandteil unserer Reiseplanung. Wieder einmal durften wir feststellen, dass wir mit zunehmendem Alter keine Stadtmenschen mehr sind - es ist uns einfach zu laut, zu wuselig, allgemein zu viele Menschen. Nun hatten wir uns aber ja ganz bewusst auch Sydney und Melbourne herausgesucht und so können wir im Nachhinein sagen, dass Sydney wirklich eine wunderschöne Stadt ist, die natürlich wesentlich von ihrer fantastischen Lage am Meer lebt. Melbourne war sicherlich nicht hässlich, aber für uns doch letztlich eher entbehrlich.
Die Highlights der Reise waren - zumindest für mich als Fotograf und Schreiber dieser Seiten - die Great Ocean Road und Kangaroo Island. Das wird der ein oder anderen Gegend an der Küste sicher nicht ganz gerecht, aber die beiden Regionen stechen schon heraus. Die Great Ocean Road hat soviel zu bieten, dass die zwei Tage - die wir sehr gemütlich angegangen sind - das absolute Minimum darstellen. Hier könnte man auch sicher weitere zwei Tage verbringen und zum Beispiel auch die Abschnitte auf der nicht dem Meer zugewandten Seite mitnehmen. Mein Favorit war eindeutig Kangaroo Island, eine wunderschöne Insel, in der die Natur die absolute Hauptrolle spielt - sei es die Tierwelt, die tollen Stellen an der Küste oder einfach die unglaubliche Weite, die man einer solchen Insel im Vorfeld gar nicht zugetraut hätte.
Die Wahl der Unterkünfte hat sich als sehr gute Mischung herausgestellt. Wie schon in den letzten Reisen, stellt sich eine Kombination aus Hotel (mal nichts tun und Frühstücksbuffet), Bed & Breakfast (in der Regel mit tollem Kontakt zu Einheimischen) und Ferienwohnung-/haus (zeitliche Flexibilität und selbst kochen können) als für uns optimal heraus. Lediglich die zeitliche "Schwierigkeit" bei der Nahrungsaufnahme können wir bis dato noch nicht so gut lösen - wir haben ja Urlaub und wollen daher auch nicht wirklich früh aufstehen, dadurch frühstücken wir "spät" und ausgiebig, was wiederum dazu führt, dass wir zu Unzeiten am Nachmittag Hunger haben (den wir entweder durch zu viel Essen oder Süßkram stillen), um dann wiederum abends erst recht spät wieder Hunger zu haben. Ein Dilemma😂.
Großartig und meines Erachtens so nicht zu erwarten war, dass es außerhalb der Großstädte Sydney und Melbourne angenehm ruhig und gemütlich war - kein Massentourismus, selbst an den Top-Sehenswürdigkeiten, leere Strände, einfach Parkplätze zu finden, keine Staus, gleichzeitig aber auch nicht alles wegen Nebensaison geschlossen - traumhaft. Besonders erwähnen könnte man auch noch, dass auf der gesamten Route nahezu alle öffentlichen Toiletten ausgezeichnet waren - da können wir uns mal ne Scheibe von abschneiden.
Würden wir erneut nach Australien reisen? Derzeit eher unwahrscheinlich, haben wir doch viel Schönes bereits gesehen und scheuen wirklich die lange Anreise mit der Zeitverschiebung. Wenn überhaupt, dann eher nochmal Neuseeland - aber das steht derzeit nicht auf der Agenda!

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