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Lorbeerwald von Fanal
Nordküste

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Sao Roque do Faial
MADEIRA 2021

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Das Zentrum der Insel ist, wie schon beschrieben, von einer Bergkette durchzogen. Für uns ist dies - trotz der mangelnden Beweglichkeit - der schönste und spannendste Teil der Insel. Das darf natürlich nicht darüber hinweg täuschen, dass dieser Teil um diese Jahreszeit nur mit Glück und Geduld zu besichtigen ist. Hier, auf der Höhe von bis zu 1.862 Metern über dem Meeresspiegel, herrscht im November oft dichtester Nebel, die Temperaturen sinken auf 5 Grad und es regnet oft und viel, was die Wege matschig und rutschig werden lässt. So haben wir für einige Stellen auch mehrere Anläufe genommen bzw. immer wieder auf das aktuelle Wetter geschaut, um einen geeigneten Zeitpunkt zu erwischen. Es kann nämlich ganz plötzlich aufklaren und genauso plötzlich wieder nebelig werden. Geduld ist also gefragt.

Letztlich wurde unsere Geduld belohnt. Nachdem beispielsweise der Pico do Arieiro, Madeiras dritthöchster Berg, quasi ununterbrochen im Nebel lag und wir auch bereits einen gescheiterten Versuch der Besichtigung hinter uns hatten, gab es dann doch ein kleines Zeitfenster, in dem der Nebel kurz eine Kaffeepause gemacht hat. 

Nun fragt man sich vielleicht, wieso man denn den dritthöchsten Gipfel besucht, wo doch noch zwei höhere existieren. Die Antwort ist ganz einfach, der Pico do Arieiro ist leicht mit dem Auto zu erreichen. Hier auf dem Gipfel gibt es einen Parkplatz, von dem aus man erträgliche Stufen zum Gipfel laufen kann, um die Aussicht zu genießen. Der Gipfel ist wahrscheinlich deshalb so gut erschlossen, weil von hier aus die spektakulärste Wanderung Madeiras beginnt, die PR1, die nach 3 anstrengenden Stunden zum höchsten Berg Madeiras führt, dem Pico Ruivo. Deswegen gibt es hier auch Restauration nebst Souvenir-Shop. Weithin sichtbar ist auch die Kuppel der Radarstation der portugiesischen Luftwaffe.

Bei unserem Besuch waren es dann hier oben übrigens 5 Grad Celsius und ein eisiger Wind. Ich hatte kurze Hosen und einen dünnen Pulli an - es geht doch nichts über eine gute Planung 😁.

Madeira Nordküste
Blick vom Pico do Arieiro
Beginn der Wanderung PR1
Radarstation der portugesischen Luftwaffe
Blick bis zum Meer
Der Nebel kommt zurück
Blick vom Pico do Arieiro
Pico do Arieiro

Eine "Wanderung" haben wir dann auf Madeira doch gemacht, die PR11 Levada dos Balcões. Die Wanderung führt von Ribeiro Frio entlang der Levada Serra do Faial zum Aussichtspunkt Miradouro dos Balcões, der herrliche Ausblicke auf das tiefe Tal Ribeira da Metade und die Gemeinde Faial bietet.

Dazu muss man vielleicht erstmal erklären, was eigentlich eine sogenannte Lavada ist. Levadas sind künstliche Wasserläufe, mit denen Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden geleitet wird. Da dabei zum Teil große Strecken überwunden werden müssen, verläuft ein Großteil der Levadas mit nur sehr geringem Gefälle. Dafür überwinden diese Wasserwege Täler und Berge, durchqueren Tunnels, kreuzen natürliche Wasserläufe und führen auch über Brücken.

Bereits im 15. Jahrhundert wurden auf Madeira die ersten Bewässerungskanäle angelegt. 1461, nur 40 Jahre nach der Besiedlung der Insel, bestimmte Prinz Ferdinando, dass zwei Männer – die Hereus – mit der Verteilung des Wassers beauftragt werden sollen. 1485 verfügte König Johann II., wann die Levada-Beauftragten den Benutzern das wichtige Nass zuteilen sollten. 1493 erließ er ein Gesetz, wonach kein Landeigentümer den Bau, die Instandsetzung oder die Nutzung von Levadas behindern durfte. Ab 1650 wurden für den rasch steigenden Verbrauch, vor allem für den Zuckerrohranbau und die Wassermühlen, immer größere und breitere Kanäle angelegt. Arabische und afrikanische Sklaven mussten die oft halsbrecherischen Arbeiten in schwindelerregender Höhe verrichten. Das Geschick der Mauren, die über große Erfahrungen in der Bewässerungstechnik verfügten, dürfte viel zum Bau der Kanäle beigetragen haben. Als Folge des stagnierenden Zuckerhandels wird nach 1680 kaum noch von einem weiteren Ausbau der Levadas berichtet.

Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial

Es handelt sich bei dieser Wanderung um eine einfache Strecke mit wenig Steigung, 1,5 Kilometer je Strecke. Am Ende der Strecke erreicht man einen schönen Aussichtspunkt. Unterwegs gibt es sogar ein kleines Café, das wir aber nicht in Anspruch genommen haben. 

Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial
Aussichtspunkt Balcões
Aussichtspunkt Balcões
Aussichtspunkt Balcões
Aussichtspunkt Balcões
unterwegs
Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial
Levada Serra do Faial

19 Kilometer landeinwärts von Funchal, auf 600 Metern Höhe, isoliert zwischen mächtigen Felsmassiven, liegt das Dorf Curral das Freiras, das sogenannte Nonnental. Ursprünglich war das Tal von Nomaden und Hirten bewohnt. Sklaven sind hierher geflüchtet, um sich zu verstecken. Sie haben als Erste kleine Häuser dort gebaut und seit dem 15. Jahrhundert gab es dann dauerhafte Behausungen. Weitere Menschen folgten, obwohl die Region immer noch sehr unterentwickelt war. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Land zum Eigentum der Nonnen des Klosters Santa Clara. Aus dieser Zeit stammt auch der Name Curral das Freiras („Pferch der Nonnen“). Mitte des 16. Jahrhunderts sollen sie über einen geheimen Wanderpfad hierher gekommen sein, um sich und das Klostervermögen in dem Tal vor französischen Seeräubern zu verbergen. Durch die geographische Isolation lebten und leben die Menschen immer noch von dem, was sie selbst anbauen. Diese Region ist sehr fruchtbar und das Hauptprodukt sind Kastanien. Sie bilden auch gleichzeitig die wichtigste Einkommensquelle. Kastanienkuchen, Kastanienlikör und Kastaniensuppe locken internationale Gäste zur Verköstigung an.

Auf 1.095 Metern Höhe liegt Eira do Serrado, ein Aussichtspunkt mit fantastischem Blick auf das Tal der Nonnen. Hierher fahren allerdings auch die Busse der Kreuzfahrtschiffe, zumal es neben der Aussicht natürlich auch Restaurant, Toiletten und Souvenirs gibt. Als wir oben angekommen sind, ist scheinbar gerade ein Fahrradfahrer schwer gestürzt. Die Sanitäter mussten ihn sogar an Ort und Stelle wiederbeleben. Das war auch aus der Ferne nicht schön anzusehen. Es hatte aber den "Vorteil", dass wir, nachdem die Straße wieder freigegeben war, die ersten waren, die zur Aussichtsplattform aufsteigen konnten (es geht über einige Treppenstufen), hinter uns die Bus-Touristen.

Curral das Freiras
Curral das Freiras
Curral das Freiras
Curral das Freiras
Curral das Freiras
Curral das Freiras

Sehr hilfreich war auf Madeira übrigens die Verwendung einer Website mit Webcams. Dort konnten wir uns immer über die aktuelle Wetterlage in den wetterkritischen Gegenden schlau machen. So gibt es beispielsweise eine Webcam auf dem Aussichtspunkt Curral das Freiras und eine auf dem Pico do Arieriro.

Ziemlich genau in der Mitte der Insel liegt das zentrale Hochplateau Paul da Serra. Hier sieht es (eigentlich) fast aus, wie in Schottland. Moorlandschaften, häufiger Nebel und niedrig wachsende Sträucher geben ein Bild ab, das ganz untypisch für Madeira scheint. Eine Möglichkeit hierher zu gelangen, ist der Weg über den Encumeada Pass. Er verbindet Ribeira Brava im Süden und São Vicente im Norden der Insel. Wir haben den Pass eigentlich nur genutzt, um auf kürzestem Weg zum Lorbeerwald zu gelangen, hatten aber einen dermaßen schönen Sonnentag (und eben keinen typischen Nebel) erwischt, dass wir hier an mehreren Stellen angehalten haben, um die Landschaft zu genießen. 

Miradouro Terra Grande
Miradouro Terra Grande
Miradouro Terra Grande
Paul da Serra
Paul da Serra
Paul da Serra
Levada
Levada
Levada
Levada
Paul da Serra

Unser eigentliches Tagesziel war der Lorbeerwald von Fanal, von Vielen auch Feenwald oder Märchenwald genannt. Vor mehreren Jahrhunderten war Madeira praktisch von Bäumen bedeckt und bekam daher auch seinen Namen (Madeira bedeutet Holz im Portugiesischen). Mittlerweile sind nur noch 20% der Insel von Lorbeerwäldern bedeckt. Diese bestehen neben den namensgebenden Lorbeerbäumen auch aus Farnen und Flechten. Der Laurisilva von Madeira gehört seit 1999 zum UNESCO Weltnaturerbe. Im Vergleich zu anderen Lorbeerwäldern auf Madeira ist der Feenwald eher klein. Er liegt in einem alten Vulkankrater und ist vergleichsweise wenig dicht bewachsen. Bekannt wurde er aber durch die auffallend geformten Bäume und den Nebel, der fast immer über diesem Gebiet hängt. Die meisten Bäume sind komplett mit Moos bewachsen, welches sehr viel Feuchtigkeit speichert und so die Äste in diesen fantasievollen Formen wachsen lässt. Durch die konkave Form des Geländes kann die Feuchtigkeit schlecht abziehen und wird dann in Form von Nebel sichtbar. Simple Prinzipien, die aber diesen Wald zu etwas ganz Besonderen machen.

Wir waren insgesamt zweimal hier - einmal, als es wirklich sehr neblig war, aber leider auch sehr matschig und rutschig, was für mich zu gefährlich gewesen wäre. Beim zweiten Anlauf hatten wir dann eben überhaupt keinen Nebel, sondern strahlenden Sonnenschein, was aber auch sehr schön war - auch wenn Cordu irgendwann gesagt hat "jetzt sind wir schon so alt, dass wir anfangen Bäume zu fotografieren".

Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal
Lorbeerwald von Fanal

Fazit

 

Es war - mal wieder - trotz aller Widrigkeiten eine gute Entscheidung mal den Kopf frei zu bekommen. Das können wir Beide ja eigentlich nur, wenn wir weg fahren. Dabei ist das Ziel eigentlich schon egal. Hauptsache raus aus dem Alltag. Das Wetter war für uns genau richtig - auch wenn Cordu zunehmend wärmeanfälliger wird. So konnten wir bis auf eine einzige Ausnahme immer zum Essen draußen sitzen, egal ob Frühstück oder Abendessen, was natürlich auch in Zeiten von Corona großen Vorteil hat. Corona hat uns auch nicht über Gebühr behindert, Maske tragen ist man inzwischen ja gewohnt und da wir immer viel (alleine) in der Natur sind, hielt sich auch das in Grenzen.

Die Wahl unseres Hotels am Lido war goldrichtig - nahe an Funchal, aber nicht mitten im Trubel. Das Hotel war auch absolut in Ordnung, lediglich die Zimmer brauchen ein Upgrade und die Qualität des Essens ist sicher nur durchschnittlich. Dennoch würden wir das Hotel weiterempfehlen, da Lage und Ausstattung ansonsten gepasst haben.

Auch die lokale Mietwagenfirma "Madeira Rent" würden wir wieder nehmen. Hier hat alles reibungslos geklappt und wir haben bekommen, was wir bestellt hatten. Die Flüge haben wir mit Lufthansa gemacht und es war alles sauber und pünktlich.

Stellt sich die Frage, wie uns denn nun Madeira gefallen hat. Ich finde, dass es sich um eine wirklich hübsche und vielseitige Insel handelt. Man kann Wandern, Shoppen, Bummeln, Sehenswürdigkeiten besichtigen - also eigentlich das volle Programm außer einem Badeurlaub. Für uns war es sicher genau das Richtige zur richtigen Zeit, auch wenn ich gerne mehr gewandert wäre - ging halt nicht.

Wir können die Insel auch insbesondere jedem Naturfreund guten Gewissens weiterempfehlen. Wie voll es zu anderen Jahreszeiten und gegebenenfalls ohne Corona dann hier wird, wissen wir natürlich nicht.

Bleibt die obligatorische Frage, ob wir denn wiederkommen würden? Die Frage können wir klar mit nein beantworten. Das liegt aber nicht etwa daran, dass es die Insel nicht grundsätzlich wert wäre, sondern daran, dass wir quasi alles Sehenswerte gesehen haben und dann doch lieber neue Gefilde erkunden wollen.

In diesem Sinne - nach der Reise ist vor der Reise!

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