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Wieder zurück von Ellis Island schlendern wir gemütlich Richtung 9/11-Memorial und Museum. Unterwegs steht am Bowling Green der Charging Bull. Wie immer ist es hier so voll, dass ein Bild ohne Menschen nicht möglich ist, immerhin kommen wir nah heran.
Der Charging Bull (Stürmender Bulle) ist eine 3,2 Tonnen schwere Bronzestatue von Arturo Di Modica. Der in Italien geborene Künstler hat die auch als Wall Street Bull bezeichnete Skulptur in seinem Atelier in der Crosby Street in SoHo angefertigt. Zwei Jahre hat er in seine ehrgeizigste und massivste Arbeit gesteckt. Der 3,4 Meter breite und 6,0 Meter lange Bulle ist so groß, dass er in separaten Teilen gegossen werden musste, die später händisch zusammengeschweißt wurden. 360.000 Dollar aus eigener Tasche hat der Künstler in sein sperriges Kunstobjekt investiert.

Die angriffsbereite Haltung des Bullen symbolisiert den entschlossenen, ja fast schon aggressiven, Erfolgs- und Machtwillen der Börsenhändler. Entsprechend ist er auch der Glücksbringer der Broker an der nahegelegenen Wall Street. Ursprünglich stand der Charging Bull direkt vor der New York Stock Exchange. Nachdem Di Modica den Stier kurz zuvor fertiggestellt hatte, stellte er ihn in den frühen Morgenstunden des 15. Dezember 1989 mithilfe von Freunden auf der Broad Street vor der New Yorker Börse ab.
Die Platzierung des Bullen war gut vorbereitet. Mit einem Chronometer stellte Di Modica zuvor fest, dass die Polizeipatrouille nachts etwa alle fünf Minuten an dieser Stelle vorbei kam. Daraus schloss er, dass ihm lediglich vier Minuten bleiben um die riesige Statue abzustellen und unbemerkt zu verschwinden. Doch als der Künstler mit seinen Komplizen an der Börse ankam, musste die Crew feststellen, dass ein großer Weihnachtsbaum, der kurz zuvor installiert wurde, den Weg versperrte. Kurzerhand beschloss Arturo Di Modica den Charging Bull wie ein Weihnachtsgeschenk unter den Baum zu legen. Das tonnenschwere Präsent ging als Nachricht um die Welt. Schnell fanden sich unzählige Journalisten und Schaulustige ein. Die Polizei ließ das ungewollte Geschenk am Abend entfernen. Bürgermeister Ed Koch, Parkkommissar Henry Stern und Arturo Piccolo von der Bowling Green Association jedoch setzten sich für die Plastik ein und sorgten dafür, dass sie dauerhaft in der Nähe des Bowling Green abgestellt wurde. Vor dem ältesten Park von New York zieht der temperamentvolle Stier bis heute Millionen Touristen an.

Wir laufen weiter Richtung 9/11-Memorial, wo sich Cordu, Lea und Nils das Museum anschauen, während ich ein wenig herumlaufe und ein paar Fotos mache. Das Museum mag ich mir nicht noch einmal anschauen, das ist doch emotional sehr aufwühlend und ich bin ja letztes Mal schon dort gewesen. Der Besuch dauert auch 2-3 Stunden und die 3 kommen einigermaßen geschafft wieder heraus.
So traurig der Ort aufgrund der Geschehnisse auch ist, so "schön" finde ich ihn in dem ganzen Trubel dieser Großstadt. Hier schaffen es Einheimische und Touristen gleichermaßen respektvoll und ruhig zu sein, keine fröhlichen Selfies vor Sehenswürdigkeiten - nicht einmal von Japanern - kein lautes Geschrei, kein Fahrradfahren oder Skateboarden, einfach nur respektvolle Stille.








Am frühen Abend wollen wir mal zu der für uns noch komplett neuen Aussichtsplattform "The Edge". Um dort zum Sonnenuntergang oder zumindest in etwa um die Zeit einen Platz zu bekommen, muss man einen Time Slot reservieren. Das klappt allerdings nur so semi gut. Die Reservierung online funktioniert zwar, aber angekommen müssen wir dennoch so lange warten, dass der beste Zeitpunkt bereits verstrichen ist - schade. Die Plattform ist dennoch spannend. Sie ragt aus dem Gebäude heraus und hat an den Seiten bodentiefe abgeschrägte Fensterscheiben, von denen man toll bis nach unten sehen kann 😱. Außerdem gibt es eine große Treppe mit breiten Stufen, auf die man sich setzen kann, um die Aussicht zu genießen - sehr nett. Weniger gut ist die unglaubliche Menge an Menschen, die hier auf die Plattform gelassen werden. Es funktioniert, wie eigentlich immer - hochgelassen wird man in festen Time Slots und wieder runter kann man, wann man will. Ebenfalls scheinbar nicht so toll ist die Glasplattform, auf die man sich stellen und senkrecht runter schauen kann. Ist ja nichts für mich, aber die Glasscheibe ist so zerkratzt, dass der gewünschte Effekt ausbleibt.






Wenn man, so wie wir, eine Stadt zum zweiten Mal besucht, dann möchte man natürlich auch gerne mal was Neues sehen oder ausprobieren. So hatten wir uns im Vorfeld vorgenommen, auf jeden Fall diesmal eine Rooftop-Bar zu besuchen. Ich hatte mir diverse mögliche Lokationen rausgesucht, immer abhängig davon, wo man sich abends befindet und ob es freie Plätze gibt. Letztlich haben wir die vielleicht simpelste und naheliegendste Wahl getroffen, die Bar Overstory direkt in dem Gebäude, in dem wir wohnen. Die Bar ist einfach fantastisch! Manche mögen es blöd finden, "nur" Aussicht auf den südlichen Teil Manhattans zu haben, aber für uns war es richtig schön. Die Sitzplätze sind super gemütlich und sogar beheizt plus Decke, die Cocktails sind lecker und abwechslungsreich, es gibt kleine Snacks und man kann und darf problemlos zum Fotografieren herumlaufen, was einmal 360 Grad herum geht und tolle Ausblicke zum Beispiel auf die Brooklyn Bridge ermöglicht. Außerdem ist es toll, dem Gewusel dort unten zuzuschauen, New York ist wirklich die Stadt, die niemals schläft. Wir können die Bar nur jedem empfehlen, auch wenn sie nicht ganz billig und Reservieren dringend notwendig ist. Außerdem sind die Öffnungszeiten eher spät (ab ca. 22 Uhr).







