


Los geht es in Stockholm, Schwedens Hauptstadt, für die wir uns 6 Tage Zeit genommen haben. Wir haben uns für einen frühen Flug entschieden - 7:15 Uhr - und sind somit so zeitig in Stockholm, dass wir noch fast den ganzen Tag nutzen können. Als erstes zieht es uns in die Altstadt, die Gamla Stan, was übersetzt nichts anderes als "alte Stadt" heißt - klingt aber viel besser. Gamla Stan befindet sich auf einer kleinen Insel und hieß bis 1980 offiziell „Staden mellan broarna“, die „Stadt zwischen den Brücken“. Südlich davon gelangt man über Slussen nach Södermalm und im Norden von Gamla Stan gelangt man über Helgeandsholmen, eine noch kleinere Insel, auf der sich auch der Reichstag befindet, zur Innenstadt. Die Namen prägen sich uns relativ schnell ein, da wir etwas außerhalb in Nacka wohnen und somit täglich die U-Bahn mit den entsprechenden Haltestellen benutzen. Wie in fast allen großen Städten ist auch hier die beste und schnellste Fortbewegungsart das öffentliche Verkehrsmittel. In Stockholm ist das super ausgebaut und wir haben U-Bahnen, Busse und Fähren reichlich genutzt.

Kleine Gässchen, alte historische Gebäude, Souvenirgeschäfte, aber auch Galerien und Kunsthandwerksgeschäfte, dazu nette gemütliche Cafés, Kneipen und auch angesehene Restaurants mit gehobener Küche, all das findet man in Gamla Stan. Es macht Spaß, durch die Gassen der Altstadt zu bummeln, auch wenn gerade im Sommer hier manchmal sehr viel los ist. Wir bummeln ein wenig durch diese, meist mit Kopfsteinpflaster versehenen, Gassen und landen schließlich am Stortorget.
Stortorget bedeutet Hauptplatz oder Großer Platz, was er in der Zeit seiner Gründung im 13. Jahrhundert als Marktplatz des alten Stockholms auch war. Seit dem frühen Mittelalter wurde Stortorget als Treffpunkt genutzt. Früher war hier auch der Pranger, der zum Gefängnis der Käkbrinken gehörte und heute im Rathaus auf Kungsholmen zu besichtigen ist. Heute, im Vergleich zu anderen Plätzen, erscheint er sehr klein aber sehr romantisch mit gut erhaltenen roten und gelben Häusern aus dem Mittelalter. Früher fand das Leben der Stadt Stockholm rum um den Platz statt. Heute ist er eine bunte Fußgängerzone für Touristen und Besucher. Hier dürfen nur Fahrzeuge, die die Restaurants und Geschäfte mit Waren liefern, zum Be- und Entladen fahren. Unter den auffälligen Gebäuden befinden sich die Schwedische Akademie, das Nobel-Museum, die Nobel-Bibliothek und das Börsengebäude vom jungen Baumeister Erik Palmstedt (1741-1803). Im Zentrum des Platzes gibt es auch einen Brunnen, der früher die gesamte kleine Stadt mit Wasser versorgte.











Schweden ohne Zimtschnecke, die hier Kanelbulle genannte süße Kombination aus fluffig-weichem Hefeteig und Zimt und Zucker - vielleicht noch mit einem leckeren Kaffee - undenkbar!
Hier in Schweden nahm die Zimtschnecke, die dortzulande eher wie ein Brötchen geformt wird (schwedisch kanel bedeutet übersetzt Zimt und bulle Brötchen) ihren Anfang. Ein erster Hinweis auf die Entstehung der Zimtschnecke stammt aus der Zeit nach dem Ende des 1. Weltkrieges. Damals wurden Backzutaten wie Butter, Zucker und Zimt, nach vorheriger Rationierung aufgrund des Krieges, wieder leichter zugänglich. Die Kosten dafür waren zu Beginn jedoch recht hoch, sodass die Zimtschnecke erst im Laufe der 50er-Jahre ein fester Bestandteil der Backkultur wurde.
Die Schweden lieben ihre Zimtschnecken. Alljährlich am
4. Oktober feiern sie daher den Tag der Zimtschnecke (schwedisch kanelbullens dag). Der Hembakningsrådet, der schwedische Bäckerverband, rief den Tag im Jahr 1999 ins Leben. Die Idee dahinter war, an die Tradition des Backens zu Hause zu erinnern und dabei bewusst auf die beliebte Zimtschnecke aufmerksam zu machen. Man wählte dafür nicht ohne Grund einen Tag Anfang Oktober. Neben dem Tag der Zimtschnecke existieren in Schweden noch weitere Tage, die verschiedene kulinarische Köstlichkeiten des skandinavischen Landes feiern, wie der Tag der Waffel oder der Tag der Köttbullar. Diesen wollte man nicht in die Quere kommen, daher wählte man den
4. Oktober.
Wenn die Zahlen stimmen, werden alleine am 4. Oktober etwa
7 Millionen Zimtschnecken verkauft - bei 10 Millionen Einwohnern!
Nach einem ersten Test der hiesigen Gastronomie (und ihrer Preise im Zentrum des Tourismus) schlendern wir gut gestärkt in Richtung Wasser und kommen dabei am Königlichen Schloss vorbei, der Residenz des Königs von Schweden. Da wollen wir doch mal unsere Aufwartung machen und buchen eine Besichtigungstour.



Das königliche Schloss in Stockholm, das auf dem höchsten Punkt der Altstadtinsel Gamla Stan thront, ist quasi die Wiege der schwedischen Hauptstadt. Vor fast 800 Jahren wurde die Stadt hier mit einer Mittelalterburg gegründet. Seitdem hat sich einiges getan bei Königs. Die alte Burg brannte im 17. Jahrhundert unter mysteriösen Umständen ab und wurde durch ein Schloss im Barockstil ersetzt, das erst 1754 fertig war. Damals war das Schloss nicht nur Wohnsitz des Königspaares, sondern beherbergte außerdem den Verwaltungsapparat und die königliche Bibliothek - daher die mächtige Größe und die Einteilung in über 600 Räume auf elf Etagen.
Schlossarchitekt Nicodemus Tessin d. J. lernte sein Handwerk in Frankreich, Italien und England, wo er viele Jahre Architektur und Landschaftsgestaltung studierte. Als ehemaliger Schüler von Lorenzo Bernini orientierte er sich stark an der Barockarchitektur von Rom. Deshalb ist auch das Stockholmer Schloss einem römischen Palast nachempfunden.
Das Stockholmer Schloss soll eine der ältesten Burgen sein, die noch immer als offizielle königliche Residenz dienen. König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia wohnen zwar nicht hier, aber sie nutzen das Schloss als Arbeitsplatz und als Lokation für Staatsbesuche und andere Empfänge.
Bei unserem Besuch waren Königs aber nicht vor Ort - oder zumindest nicht zu sehen. Man kann das Schloss mit und ohne Führung besichtigen. Wir haben uns für die Besichtigung ohne Führung entschieden, was für den Einstieg auch ausreichend war - schließlich ist das immer noch unser Anreisetag.
Eine nachmittägliche Zimtschnecke nebst Kaffee runden den ersten erlebnisreichen Tag ab. Gegessen haben wir in unserem Hotel in Nacka, was durchaus eine gute Wahl war - insbesondere nach einem langen Tag, wie diesem.



Da der Wetterbericht für heute bestes Sonnenwetter vorhergesagt hat - und das ja hier im "hohen Norden" auch nicht zwingend selbstverständlich ist - haben wir gestern noch einen Ausflug nach Drottningholm gebucht. Das Schloss Drottningholm gehört seit 1991 zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist eines der am besten erhaltenen Königsschlösser Schwedens aus dem 17. Jahrhundert. Es liegt idyllisch am Wasser und kombiniert schwedisches Kulturerbe mit beeindruckender europäischer Architektur. Die Königinwitwe Hedwig Eleonora, Königin Louise Ulrike und König Gustav III. haben das Schloss und seine Umgebung geprägt. Heute ist es ständiger Wohnsitz von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia. Wir haben uns für die Anreise übers Wasser entschieden. Dabei fährt man von Stockholm aus 1 Stunde mit dem Schiff und kann dabei sowohl tolle Ausblicke auf die Stadt, als auch später auf das Schloss genießen. Bei dem Wetter ein Traum. Zurück geht es ebenfalls mit dem Schiff. Man kann nicht nur das Schloss besichtigen, sondern auch den Schlosspark, den Chinesischen Pavillon, die königliche Kapelle und das Schlosstheater. So ist das schnell ein - lohnenswerter - Tagesausflug.







Schloss Drottningholm hat sich im Laufe der Zeit verändert. Die Mitglieder der königlichen Familie, die hier gewohnt haben, prägten, den wechselnden Stil- und Modeströmungen entsprechend, die Einrichtung des Schlosses. Hedwig Eleonora, Luise Ulrike und Gustav III. haben die Einrichtung der Empfangsräume stark beeinflusst. Das Schloss aus dem 16. Jahrhundert brannte am 30. Dezember 1661 bis auf die Grundmauern nieder. Zu Beginn jenes Jahres war das Schloss von der Königinwitwe Hedwig Eleonora gekauft worden. Nach dem verheerenden Brand wurde der Architekt Nicodemus Tessin d. Ä. von der betagten Königinwitwe beauftragt, ein standesgemäßes Schloss zu errichten, und 1662 wurde mit dem Bau des heutigen Schlosses begonnen. Nicodemus Tessin d. Ä. schuf eine Reihe von Interieurs, die zu einer der bedeutendsten in Schweden aus der Zeit des Frühbarock gehören. Das Treppenhaus, der Ehrenstrahl-Salon und nicht zuletzt das Paradeschlafzimmer Hedwig Eleonoras zählen dazu. Drottningholm blieb das Schloss der Frauen aus dem Königshaus, und 1744 wurde das Schloss als Hochzeitsgeschenk an Prinzessin Louise Ulrike von Preußen übergeben, anlässlich Ihrer Vermählung mit dem schwedischen Thronfolger Adolf Fredrik. Auf Drottningholm versammelten sich viele der bedeutendsten Wissenschaftler der damaligen Zeit. Carl von Linné wirkte hier an der wissenschaftlichen Aufbereitung der königlichen Naturaliensammlung. Die Bibliothek Louisa Ulrikas ragt als ein strahlendes Denkmal aus dieser Epoche heraus. Zu dieser Zeit entstand auch das berühmte Schlosstheater, das wir aber mangels entsprechender Zeit nicht besucht haben. Im Jahr 1777 kaufte der schwedische Staat Drottningholm und König Gustav III. zog in das Schloss ein. Zu dieser Zeit entstand nach englischem Vorbild der große romantische Landschaftsgarten, der noch heute das Barockschloss und den französischen Garten umgibt.
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Cordu und ich sind ja bekanntlich ganz große Freunde von Freilichtmuseen und so können wir uns das Freilichtmuseum "Skansen" auf der Museumsinsel Djurgården natürlich nicht entgehen lassen, zumal es sich hierbei um das älteste Freilichtmuseum der Welt handeln soll. Das Wetter ist durchaus durchwachsen (so schnell kann sich das in Skandinavien von einem auf den anderen Tag ändern), aber es bleibt weitgehend trocken, was ja doch das Wichtigste ist. Auf die Museumsinsel fährt man am Besten mit der Fähre, die Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs und somit recht günstig ist. Wir haben uns direkt am Anfang eine 7-Tageskarte gekauft, mit der wir dann sämtliche Strecken auf Bahn, Bus und Fähre genommen haben - das hat sich definitiv gelohnt. Das Schöne an der "Anreise" auf diesem Weg ist, das man vom Wasser einen schönen Blick auf Djurgården hat und schon mal ein paar Fotos schießen kann. Direkt an der Anlegestelle befindet sich der Freizeitpark Gröna Lund mit seinen Achterbahnen und sonstigen Fahrgeschäften. Zwar nichts für uns, aber lustig anzusehen, so aus der Nähe.






Die historischen Gebäude in Skansen stammen aus fast allen Landschaften Schwedens und sind im Museum von Süd nach Nord entsprechend ihrer geografischen Herkunft aufgebaut. Dabei ist die unmittelbare Umgebung der Gebäude einschließlich der landschaftstypischen Bepflanzung entsprechend der lokalen Herkunft gestaltet. Alle historischen Gebäude, ganz gleich ob Wohnhäuser, Bauernhöfe, Werkstätten oder Geschäfte sind vollständig zeittypisch eingerichtet und die vor Ort anwesenden Museumsmitarbeiter tragen die typische historische Kleidung der jeweiligen Region. Auf den Bauernhöfen leben historische Landtierrassen und in den Werkstätten werden verschiedene alte Handwerkstechniken vorgeführt. Außer den ländlichen Gebäuden gibt es auch ein gemütliches historisches Stadtviertel, das für eine Kleinstadt aus dem 19. Jahrhundert steht. Dort befinden sich neben historischen Wohn-und Geschäftshäusern unter anderem auch eine Apotheke, eine Post und eine Bäckerei sowie allerlei Werkstätten, wie eine Glasbläserei, Töpferei oder Buchbinderei.


Zurück in Stockholm besuchen wir noch Mårten Trotzigs Gränd, die schmalste Gasse von Stockholm. Diese winzige Gasse ist eine der engsten in ganz Europa, nur etwa 90 Zentimeter breit an ihrer schmalsten Stelle. Sie erstreckt sich über eine kurze Strecke von 36 Metern und verbindet die zwei Hauptstraßen Västerlånggatan und Prästgatan. Die Gasse stammt aus dem Mittelalter und ist ein erstaunliches Beispiel für die historische Architektur und den urbanen Stil dieser Zeit. Die engen Gassen und verwinkelten Straßen in Gamla Stan sind ein Erbe aus vergangenen Jahrhunderten, als die Stadt noch von Stadtmauern umgeben war und die Bewohner auf engstem Raum lebten und leben mussten. Mårten Trotzigs Gränd ist ein perfektes Beispiel für diese historische Umgebung und bietet einen Einblick in das Leben im mittelalterlichen Stockholm.














































































