


Ich möchte eigentlich schon gerne sorgsam und sparsam mit den Superlativen umgehen. Allzu oft findet man etwas grandios, überragend oder sensationell. Gerade die Amerikaner sind hier ja Weltmeister - marvelous, outstanding, outragous, great, awsome, unbelievable oder amazing sind Attribute, die auch schon mal für ein Sandwich verwendet werden können 😂.
Beim Yellowstone National Park bleibt einem dennoch einfach nichts anderes übrig, zu schön und zu überwältigend ist das, was man hier von der Natur geboten bekommt. Abwechslungsreich ist es obendrein. Egal ob Tierwelt, Geysire, Wasserfälle oder Landschaft - alles ist hier einzigartig oder doch zumindest besonders.
Wir haben uns in West Yellowstone einquartiert. Eine Unterkunft im Nationalpark war trotz Buchung ein halbes Jahr vor Reiseantritt nicht zu bekommen. Von hier aus ist man schnell im Park und dort auch recht zentral, so dass man nach Parkeintritt in alle Richtungen gut vernetzt ist. Wir haben uns 3 Nächte Zeit gegeben und hoffen, möglichst viel zu sehen.
Yellowstone

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Ich könnte Euch hier mit Bildern blubbernder Quellen, Bakterien in den buntesten Farben und Bisons in allen Lebenslagen überschütten. Ich könnte auch über die Geschichte und Geologie des Parks seitenlang schreiben. Das Problem ist nur, wo fängt man an und wo hört man auf. Ich versuche mich also kurz zu fassen und es nicht zu übertreiben.
Das Besondere im Yellowstone sind seine einzigartigen heißen Quellen, Geysire und Schlammtöpfe. Mehr als 10.000 geothermische Quellen hat der Yellowstone zu bieten, davon gut 300 Geysire. Der berühmteste ist der "Old Faithful" (der alte Zuverlässige). Früher konnte man nach ihm die Uhr stellen, heute spuckt er seine Wasserfontäne mit einer relativen Regelmäßigkeit alle 60 bis 90 Minuten aus.


Ursache für alle vulkanologischen Erscheinungen ist eine immer noch aktive Magmakammer in 80 bis 120 Kilometer Tiefe unter dem Yellowstone-Gebiet – ein sogenannter "Hot Spot" (heißer Fleck). Diese Energie bewirkt, dass Magma in einem dynamischen System – ähnlich einem Paternoster – in der Erdkruste aufsteigt.
Das heiße Magma füllt sich in einer riesigen Kammer unter der Erdkruste an. Ist diese Kammer bis zum Rand gefüllt, drückt das Magma die darüber liegenden Schichten nach oben. Die Folge: die Erdkruste reißt auf, die Magmakammer entlädt sich in einer gewaltigen Explosion. Danach stürzt das Dach der leeren Magmakammer ein und bildet einen Einsturztrichter, eine sogenannte Caldera.


Neben den vulkanischen Phänomenen ist der Yellowstone für seine einzigartige Wildnis und artenreiche Tierwelt bekannt. Heute leben in den ausgedehnten Wäldern wieder zahlreiche Bisonherden, Grizzlys, Schwarzbären und Wolfsrudel. Doch das war nicht immer so. Das Nebeneinander von Tier und Mensch funktionierte nicht immer reibungslos.
Besonders hart getroffen hat es die großen Bisonherden im Yellowstone Park. Im Kampf gegen die Indianer begannen die Weißen im 19. Jahrhundert, die Bisonherden regelrecht abzuschlachten. Von den einst 50 Millionen auf dem amerikanischen Kontinent lebenden Büffeln überlebten bis 1883 nur noch etwa 1000 Tiere. Die Bisonherden bildeten für viele Indianerstämme die Nahrungsgrundlage. Ohne deren Fleisch, Fell und Horn konnten sie nicht überleben – das wussten die weißen Siedler zu nutzen.
Heute leben wieder knapp 5000 Bisons im Yellowstone Nationalpark. Doch ihnen droht neue Gefahr durch die Farmer. Schuld ist ein Virus, mit dem einige im Park lebende Bisons befallen sind. "Brucellose" führt zu Totgeburten von Kälbern. Die in der Umgebung des Nationalparks lebenden Farmer befürchten daher, dass das gefährliche Virus auf ihre Rinder überspringen könnte.
Die Bisons halten sich nicht immer exakt an die Grenzen des Nationalparks. Vor allem in den Wintermonaten steigen die Futter suchenden Herden aus den Rocky Mountains auf die Rinderweiden in den Ebenen von Montana herab. Außerhalb des Parks sind die Bisons jedoch nicht mehr geschützt und zum Abschuss freigegeben.









Während unsres Aufenthalts waren die Bisons in der Brunft (Paarungszeit). Die Weibchen leben normalerweise in kleinen Herden und schließen sich nun zu großen zusammen, die bis zu 400 Tiere umfassen können.
Zum Schutz vor Wölfen umkreisen die Bullen solche Herden. Dabei veranstalten sie regelrechte Brüllkonzerte, um ihre auserkorene Kuh zu beeindrucken. Wenn diese sich dann für den Paarungsakt bereitmacht, kann sie auch durchaus noch in die Röhre gucken.
Entdeckt ein Bison-Bulle in diesem Augenblick seinen "Lieblingsfeind", verzichtet er auf den Sex, um lieber mit 50 km/h auf den Gegner zuzurasen und um mit den Köpfen zusammenzustoßen. Sie betreiben das als Training im Kampf gegen die Wölfe.
Bei Mammoth Hot Springs gibt es dutzende farbenfroher, dampfender Terrassen zu besichtigen. Heißes Quellwasser wird hier auf dem Weg an die Oberfläche stark mit Kalziumkarbonat (Kalksandstein) angereichert, das sich bei Austritt an die Oberfläche um die Öffnung herum ablagert und auf diese Weise pittoreske Terrassen gebildet hat. Wege führen mitten durch die stufenartig übereinander liegenden Kalziumformationen der Main Terrace Area.






Ein weiterer wundervoller Ort im Yellowstone Nationalpark ist der Grand Canyon of the Yellowstone. Hierher hat der Park seinen Namen - gelber Stein. Seine Tiefe und Farben sind das Ergebnis der kombinierten Kräfte von Feuer, Eis und Wasser. Der aktuelle Canyon geht zurück auf das Ende der letzten Vergletscherung vor 14.000 Jahren. Schmelzwasser, verbunden mit dem letzten Gletscher grub das aktuelle V-förmige Tal. Wasser setzt die Erosion des hydrothermal gealterten vulkanischen Gesteins fort. Die hydrothermalen Aktivitäten machen das vulkanische Gestein anfälliger für die Erosion und verursachen die Farben der Canyonwände.
Den besten Blick in den Canyon hinein bietet der Inspiration Point. Über zwei Fallstufen, die Upper und Lower Falls, stürzt das Wasser einige hundert Meter weiter flussaufwärts in die Tiefe. Die 94 m hohen Lower Falls des Yellowstone River sind fast doppelt so hoch wie die Niagara Falls.



Die Grand Prismatic Spring ist die größte Thermalquelle der USA und die drittgrößte der Erde. Das Becken ist etwa 75 × 91 m groß und ungefähr 49 m tief. Es strömen pro Minute durchschnittlich 2.000 Liter 71 °C heißes Wasser aus der Quelle. Die Farben stammen von einzelligen Mikroorganismen (Bakterien) an den Randbereichen der mineralienreichen Thermalquelle. Sie bewegen sich zwischen grün und rot und hängen von dem Gehalt an Chlorophyll und Carotinoiden der jeweiligen an die Wassertemperatur angepassten Mikroorganismen ab. Im Sommer tendiert der Biofilm zu orange und rot, wohingegen im Winter eher dunkelgrün vorherrscht. Das Wasser im Zentrum der Quelle ist wegen der herrschenden Temperaturen frei von Mikroorganismen. Die tiefblaue Färbung des im Verhältnis kleinen Wasserkörpers rührt von der Wassertiefe und der hohen Wasserreinheit in der Quellenmitte her.


Quelle: www.pixabay.de
Ursprüngliche Farbgeber der heißen Quellen sind spezialisierte Mikroorganismen, die sich auf das Leben im warmen Wasser spezialisiert haben. So tauchen etwa hitzebeständige Cyanobakterien die Quellen in Orange, Gelb, Blaugrün oder Schwarz. Außerdem bestimmt die chemische Zusammensetzung des Wassers die Farbe. Ist es kalkhaltig, lagert sich am Grund weißes bis graues Material ab, je nach Eisengehalt entstehen hellgelbe, orangefarbene oder braune Bereiche.







Das Norris Geyser Basin ist das heißeste und dynamischste Becken im Yellowstone Park. Viele der hier beheimateten Quellen und Geysire weisen Temperaturen über dem Siedepunkt auf. Aufgrund von seismischer Aktivität befindet sich dieses Gebiet in einem ständigen Wandel. Jedes Jahr entstehen im Norris Geyser Basin neue heiße Quellen und Geysire, andere werden inaktiv.
Das Basin teilt sich in 2 Bereiche, das Back Basin und die Porcelain Springs.
Im Back Basin findet man den derzeit größten aktiven Geysir der Welt, den bekannten Steamboat Geyser.





Fazit
Das war die vielleicht schönste Reise, die wir je gemacht haben, auch wenn es sicherlich eher nicht sinnvoll ist, die Reisen miteinander zu vergleichen. Auch ist es wohl nicht fair das zu tun.
Manchmal kann man die Einzigartigkeit einer Reise erst im Nachhinein so richtig einschätzen. Nun habe ich mich ja erst sehr spät dazu entschlossen, unsere Reisen im Rahmen einer Homepage festzuhalten. Daher musste ich auch die Berichte aus der Erinnerung schreiben und dufte, wenn man so will, die Reisen dadurch noch einmal neu erleben.
Dabei kann ich nur unweigerlich zu der Einschätzung kommen, dass wir noch nie so viele unterschiedliche Dinge im Rahmen einer Reise gemacht und erlebt haben. San Francisco, Las Vegas, Grand Canyon, Monument Valley, Route 66, Arches National Park, Antelope Canyon und Yellowstone in einer Reise - cool!
Daher kann ich bei dieser Reise auch beim besten Willen nicht die Highlights zusammenfassen, es war einfach ein einziges Highlight.
Die Idee, hinsichtlich der Route eher ungewöhnliche Wege zu fahren und Sehenswürdigkeiten miteinander zu kombinieren, ist voll aufgegangen.
Auch wenn wir offensichtlich in den 3 Wochen enorm viel gemacht haben, kann ich nicht sagen, dass es stressig gewesen wäre. Weder hinsichtlich der Tagesplanungen noch der Fahrtstrecken haben wir uns zuviel zugemutet, womit ich auch allen anderen Reisenden zurufen möchte - seid mutig in Eurer Reiseplanung!

