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Glenfinnan Viadukt
Inverness

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Hogwarts Express
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Fort William ist das Zentrum der westlichen Highlands, als Stadt sicher eher nichts Besonderes, aber Ausgangspunkt für die Fahrt mit dem Jacobite Steam Train, für viele Besucher der "Hogwarts Express". Es handelt sich hierbei um einen dampfbetriebenen Museumszug, der von Fort William nach Mallaig und wieder zurück fährt. Dabei überquert er unterwegs unter anderem das Glenfinnan Viadukt, eine 380 Meter lange und 30 Meter hohe Eisenbahnbrücke in malerischer Landschaft. Der historische Dampfzug ist für sich schon ein Schmuckstück, das J.K. Rowling ihn jedoch in den Harry Potter Romanen als "Zubringer" nach Hogwarts verwendet hat, macht ihn seitdem zu DER Touristenattraktion ganz Schottlands. Nun gibt es seit diesem Jahr diverse Schwierigkeiten mit der schottischen Eisenbahnbehörde, die die Fahrten kurzfristig gestoppt haben, da sich die Türen der Wagons von Fahrgästen während der Fahrt von innen (theoretisch) öffnen lassen - im Grunde nichts Besonderes, Behörden eben. Inzwischen fahren die Züge wieder, aber wohl nicht mit den Originalwagons. Wir haben aufgrund dieser Thematik keine Karten für die Fahrt mit dem Zug bekommen, konnten ihm aber von außen auf der Brücke zuschauen, was unseres Erachtens sowieso schöner ist. Allein der Andrang dort lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben, Menschenmassen ohne Ende - zumal der Zug eben zu unserer Besuchszeit nur einmal am Tag vorbei kam. Dennoch ein lohnenswertes Erlebnis.

Jacobite Steam Train
Glenfinnan Viadukt
Das berühmte Gleis
Jacobite Steam Train

Unmittelbar neben dem Glenfinnan Viadukt findet man den Loch Shiel mit dem Glenfinnan Monument. Der typisch schottische See, eingerahmt von bewaldeten Bergen und in der Regel leicht nebelig, war natürlich auch Filmkulisse für die Harry Potter Filme, hier als "Hogwarts-See". Das Glenfinnan Monument wurde im Jahr 1815 nach Plänen des schottischen Architekten James Gillespie Graham erbaut, um den Platz zu markieren, an dem 1745 die Standarte von Prinz Charles Edward Stuart zu Beginn der zweiten Jakobiterrevolte gehisst wurde. Prinz Charles brach von Frankreich auf und landete in Eriskay auf den Western Isles. Von dort aus ruderte er in einem Boot bis zur Küste am Loch nan Uamh, gleich westlich von Glenfinnan. Hier traf er auf Mitglieder des Clans MacDonald, die in den nächsten Tagen Unterstützung von weiteren MacDonalds, Camerons und Macdonnells bekamen. Als er entschied, genügend Unterstützung zu haben, hisste er am Montag, den 19. August 1745 auf dem nahen Hügel seine königliche Standarte und beanspruchte den schottischen und englischen Thron im Namen seines Vaters James Francis Edward Stuart. Dies war der Beginn der Rebellion, die acht Monate später in der Schlacht bei Culloden am 16. April 1746 niedergeschlagen wurde.

Loch Shiel
Glenfinnan Monument
Glenfinnan Monument

Da wir ja nun keine Tickets für den Jacobite Steam Train hatten, sind wir mit dem Auto in den Zielort Mallaig gefahren. Mallaig ist ein kleines Fischerdörfchen, das (normalerweise) zweimal am Tag mit den Touristen aus dem Zug überschwemmt wird und davon ganz gut leben kann. Wir haben uns dazu entschieden zumindest einen kleinen Bootsausflug ab hier zu machen, um die Zeit etwas zu nutzen. Wer noch nie Robben gesehen hat wird begeistert sein, wir haben es als "Auszeit" genutzt.

Robben
Tarnung
Robben
Mallaig

Will man mit dem Boot vom Atlantischen Ozean über die diversen Seen bei Inverness in die Nordsee fahren, so muss man auf dem Weg durch den Loch Lochy, den Loch Oich und Loch Ness über insgesamt 29 Stufen klettern. Eine der spektakulärsten Schleusenanlagen auf diesem Weg ist "Neptune's Staircase" in Fort William. Auf 450 Metern überwinden die acht Schleusen hier einen Höhenunterschied von 25 Metern. Die Becken sind jeweils um die 60 Meter lang. Ein Schiff benötigt etwa 90 Minuten, um die acht Schleusenkammern von Neptune’s Staircase zu passieren. Das ist allerdings wohl ein Idealwert, uns hat der Schleusenwärter (ja, den Beruf gibt es hier noch, wenn auch nicht mehr mit Muskelkraft, sondern auf Knopfdruck - aber mit amtlicher Teepause, da müssen dann alle warten) erklärt, dass die Boote zweimal am Tag rauf oder runter transportiert werden. Die Schleuse gehört zu den größten des Vereinigten Königreichs und wird von British Waterways kontrolliert. Wir fanden das technisch beeindruckend und haben uns den Spaß eine Weile lang angeschaut.

Neptune's Staircase
Neptune's Staircase
Neptune's Staircase
Neptune's Staircase

Unser Highlight der Region rund um den Ben Nevis, Großbritanniens höchstem Berg, war jedoch eindeutig das Glen Coe, ein Bilderbuchtal in den westlichen Highlands. Begrifflich ist das in Schottland sehr einfach - ein Glen ist ein Tal, ein Ben ist ein Berg und ein Loch ist ein See - alle Ziele erklärt  😎.

Das heutige Glen Coe ist der Überrest eines uralten Supervulkans, an den heute nur noch das harte vulkanische Gestein erinnert. Wie die übrigen Highlands wurde das Tal während der letzten Eiszeit von Gletschern geformt, die eine karge, kaum für Landwirtschaft geeignete, Landschaft zurückließen. Während vieler Jahrhunderte war das Glen Coe die Heimat des Clan der MacDonald, der während des ersten Jakobiten-Aufstands im 17. Jahrhundert die Seite des abgesetzten Stuart-Königs ergriff. Nach dem Ende der Kämpfe zogen unter der Führung des rivalisierenden Clans Campbell Regierungstruppen in das Tal ein, wo diese zunächst gastfreundlich aufgenommen und bewirtet wurden. Unter einem Vorwand wurden schließlich frühmorgens ein Großteil der Mitglieder des Clans MacDonald im Schlaf ermordet, was später unter dem Massaker von Glen Coe bekannt wurde. Das Glen Coe trägt seitdem den Beinamen "Tal der Tränen“, und bis heute gedenken die Mitglieder des Clan MacDonald alljährlich am Jahrestag des Verbrechens der Opfer.

Glen Coe
Glen Coe

Die wildromantische Landschaft des Glen Coe diente auch in zahlreichen Filmen als dramatischer Hintergrund. Dazu zählen Historienfilme wie "Braveheart" und "Rob Roy", aber auch der Fantasy-Klassiker "Highlander" und der James-Bond-Film "Skyfall" und natürlich auch "Harry Potter". Doch die herbe Schönheit des Glen Coe kann nicht nur in Filmen bewundert werden. Dank eines hervorragend ausgebauten Wegenetzes können Naturfreunde das Tal und seine nähere Umgebung auch wandernd erkunden. Besonders sehenswert sind die zahlreichen kleineren und größeren Wasserfälle und die "Three Sisters", die Teil des bis zu 1.150 Meter hohen Bergmassivs Bidean nam Bian sind.

Glen Coe
Glen Coe
Glen Coe
Blackrock Cottage

Wir haben dann noch ein Seitental des Glen Coe "entdeckt" - Glen Etive, hier kann man unendlich lang am River Etive langfahren und es ist nicht so voll, wie im Glen Coe. An manchen Stellen ist es zwar recht eng und die Autos kommen nur schlecht aneinander vorbei (man muss nämlich den ganzen Weg auch wieder zurückfahren), aber das war eine der schönsten Touren der gesamten Reise. Hier findet man hübsche kleine Wasserfälle, Seen, in denen Bäume wachsen, eine uralte Seilbahn, mit der man sich über den Fluss ziehen kann und schöne Aussichtspunkte hinter jeder Biegung.

Glen Etive
Glen Etive
Glen Etive
Glen Etive
Abenteuerlich
Glen Etive

Oban gilt als das "Tor zu den Inseln", ist die Stadt doch Ausgangspunkt für viele Reisen zu den Inneren und Äußeren Hebriden. Wir haben hier einen halben Tag verbracht, mit dem Schiff sind wir aber nicht gefahren, da das Wetter nicht wirklich prickelnd war und wir auch so eher keine große Lust hatten. Obwohl es zu unserem Aufenthalt schon etwas Besonderes gegeben hat, so war nämlich die PS Waverley im Hafen und hat zu einer Rundfahrt eingeladen. Hierbei handelt es sich um einen 1947 gebauten, britischen Raddampfer, dem letzten seefahrenden Raddampfer weltweit. Das Schiff wurde auf der Werft A. & J. Inglis in Glasgow für die Eisenbahngesellschaft London and North Eastern Railway gebaut. Schon ein Schmuckstück und eine besondere Schiffsreise allemal, die allerdings auch den kompletten Tag gedauert hätte und die Passagiere waren schon klatschnass, bevor es richtig losging. Das haben wir uns lieber aus dem trockenen Restaurant heraus angeschaut.

PS Waverley

Bekannt ist Oban, neben einer der ältesten Destillerien Schottlands, für den obskuren McCaigs Tower. John Stuart McCaig war ein Menschenfreund, liebte römische Architektur und hatte es als Banker zu einem gewissen Reichtum gebracht. Ganze Teile Obans gehörten ihm damals. Zwar kam er vom Land, doch die kleine Stadt an der schottischen Westküste war nun seine Heimat. Als McCaig Mitte des 19. Jahrhunderts in Oban ankam, stand hier noch nicht viel. Erst 1794 hatten die Gebrüder Stevenson an der Bucht eine Destillerie gebaut, das zog Arbeiter an und rund um das Gebäude und den Hafen bildeten sich kleine Häuserzeilen und Straßen. Ein erstes zartes Erwachen des verschlafenen Nests führte der Besuch des Dichters Sir Walter Scott herbei, denn ihm folgten bald darauf Touristen. Der nächste große Schritt wurde 1880 gewagt, Oban bekam eine eigene Zugverbindung nach Glasgow. Die kleine Stadt, der Hafen, die Destillerie – alles wuchs, wurde größer. Doch was hier fehlte, war die Schönheit die Kunst, die Muße. Zumindest empfand das John MacCaig so. Er würde das ändern. Er selbst als Geldgeber und Architekt wollte Oban eine steinerne Krone aufsetzen. Ein Kolosseum nach römischem Vorbild. Im Inneren sollte es eine Kunstgalerie beherbergen und natürlich auch sich und seiner Familie ein Denkmal setzen, in Form eines Turmes in der Mitte – Ehre, wem Ehre gebührt. So heuerte er ab 1897 gezielt in den Wintermonaten Steinmetze an, die sonst in dieser Jahreszeit keine Arbeit gehabt hätten. Auf dem Hügel oberhalb der Stadt, die Destillerie überragend, schufen sie einen Granit-Ring mit zwei Reihen von insgesamt 94 Bogen-Fenstern. Umfang des Bauwerks - 200 Meter. Als die beiden Ringe geschlossen waren, verließ den mittlerweile 78-jährigen Mann jedoch das Glück. Er wusste um sein schwaches Herz, er litt schon eine Weile an Angina Pectoris. Daher verfügte er noch vor seinem Tod darüber, dass weitere Gelder für das Innenleben des Kolosseum bereitstehen würden. Er hatte also vorgesorgt, als er am 29. Juni 1902 seinem Schöpfer gegenüber trat. Doch er hatte nicht mit seinen Erben gerechnet. Sie hatten für den Traum des Alten nichts übrig und stoppten sofort die Arbeiten. So steht hier heute also nur dieses skurrile Gebäude, das man von überall sehen kann und von dem man eine schöne Aussicht auf die Stadt hat. 

Oban Distillery & McCaigs Tower
McCaigs Tower
Oban
Oban
Oban
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