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New Mexico ist sicher einer der eher wenige besuchten Staaten der USA. Das liegt vermutlich zum einen daran, dass er etwas Abseits der üblichen Touristenrouten liegt, zum anderen ist die trockene, heiße Wüstenlandschaft nicht jedermanns Sache. Das soll aber nicht heißen, dass es hier nicht ausreichend Spannendes zu entdecken gibt und sich die Reise hierher nicht lohnt. Für mich ist das ja eher ein Anreiz, das "Unbekannte" zu entdecken.
Wir beginnen gleich mal mit einem Highlight, der UNESCO-Welterbestätte Taos Pueblo. Taos Pueblo gilt als die älteste, durchgängig bewohnte Siedlung in den Vereinigten Staaten und zählt seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die meisten, der heute noch genutzten Häuser stammen aus der Zeit zwischen 1000 und 1450 nach Christus. Ihre Wände sind einen Meter dick und dienten früher vor allem der Verteidigung. Einzelne Räume ließen sich beispielsweise nur über Leitern erreichen, die bei Angriffen einfach eingezogen wurden. Rund 150 Menschen leben heutzutage noch permanent in Taos Pueblo, die meisten nach der traditionellen Lebensweise ihres Volkes. So wird neben Englisch und Spanisch vor allem Tiwa gesprochen und die Bewirtschaftung der nahe gelegenen Felder ist trotz des ansteigenden Tourismus weiterhin wichtig und in der wirtschaftlichen Struktur von Taos Pueblo tief verankert. Taos Pueblo ist für Besucher zugänglich. Bewohner bieten Touren durch ihr Dorf an und erzählen dabei viel über das frühere und heutige Leben der Taos. Von Reisenden wird Respekt gegenüber der indigenen Kultur erwartet, so ist es nicht gewünscht die Bewohner ungefragt zu fotografieren oder sich eigenmächtig in den Häusern umzusehen. Von Zeremonien sind Besucher hingegen ausgeschlossen.


Bei der Führung erfährt man dann alles über die Geschichte dieses Volkes, wie sie lebten und heute hier wohnen. Hier und da kann man auch mal einen Blick in wenige Häuser werfen, die auch heute noch kein fließendes Wasser und keinen Strom haben. Diese haben mittlerweile auch ebenerdige Zugänge, ursprünglich gab es diese nicht. Vielmehr waren die Häuser von den Dächern aus erschlossen, die man mit Leitern erreichte. So hatten es mögliche Angreifer schwer, die Häuser zu überfallen. Die Wohnungen bestehen gewöhnlich aus zwei Räumen. Einer davon dient normalerweise als Wohn- und Schlafraum, der andere als Küche, Esszimmer und Lebensmittellager. Jede Wohnung ist für sich abgeschlossen, es gibt keine Übergänge zu anderen Wohnungen. Die Taos benutzten in der Vergangenheit nur wenige Möbel. Heute werden hingegen auch Tische, Stühle und Betten verwendet.


San Geronimo Kirche


Als Standorte für die Unterkünfte in New Mexico haben wir uns die beiden Städte Santa Fe und Albuquerque ausgesucht. Santa Fe ist eine nette Kleinstadt mit einer umfangreichen Kunstszene und viel Handwerk. Mit einem geschichtsträchtigen Erbe, das von den amerikanischen Ureinwohnern über spanische und mexikanische Einflüsse bis zu Wildwest-Cowboys, der modernen US-Kultur und einer regen Künstlerszene reicht, nimmt Santa Fe eine Sonderstellung unter den amerikanischen Städten ein. Die Zeitschrift Conde Nast Traveler hat die Hauptstadt New Mexicos nicht umsonst zur „Best Small City“ gekürt.


In Santa Fe wechseln sich bunte Freiluftmärkte, historische Gebäude (der Palace of the Governors ist z. B. das älteste, durchgängig genutzte, öffentliche Gebäude der USA), Kunstgalerien und Museen mit schicken Restaurants, angesagten Nachtclubs und modernen Hotels ab. An der Plaza im Zentrum kann man in den unterschiedlichsten modernen Läden stöbern und den indianischen Kunstmarkt besuchen, der vor dem Eingang zum Palace of the Governors abgehalten wird.











Unweit von Santa Fe befindet sich das Bandelier National Monument. Bandelier - das ist der Name eines Schweizer Ethnologen und Forschers, der im Jahr 1880 als erster Weißer einen kleinen bewaldeten Canyon betrat, geführt von einem Indianer namens Juan José Montaya aus dem nahegelegenen Cochiti Pueblo. Was er entdeckte, waren die Ruinen einer kreisrunden Puebloanlage und mehrere langgestreckte, hohe Felswände aus weichem, vulkanischem Tuffgestein mit Hunderten von winzigen Vorratskammern und Wohnhöhlen, in denen nach Angaben seines indianischen Führers wohl die Vorfahren seines Stammes und anderer, benachbarter Pueblodörfer gelebt haben mussten. Begeistert über seine ungewöhnliche Entdeckung nannte Bandelier die Ruinen "The grandest thing I ever saw". Durchaus verständlich, denn neben Mesa Verde und dem Chaco Canyon ist Bandelier eine der beeindruckendsten und besterhaltenen Siedlungen aus der Zeit der frühen Pueblokulturen.


Auf dem 130 Quadratkilometer großen Gelände des National Monument befinden sich schätzungsweise 3.000 bis 8.000 archäologische Stätten, von denen heute erst ein Bruchteil freigelegt und Besuchern zugänglich ist. Die Pueblo- und Felsenruinen stammen aus dem 12. Jahrhundert und waren bis etwa 1550 n.Chr. bewohnt. Die Menschen, die hier mehrere Generationen lang lebten, waren vermutlich Einwanderer aus den großen Pueblosiedlungen im Westen, die in diesem fruchtbaren Nebental des Río Grande neue Siedlungen gründeten. Der Río de los Frijoles führte stets ausreichend Wasser und ermöglichte damit den Anbau von Mais, Bohnen und Kürbissen. In den Wäldern und Flussauen gab es reichlich Wild. Die natürlichen Höhlen im weichen Tuffstein boten ausgezeichnete Möglichkeiten, Vorräte zu lagern und mit wenig Aufwand kleinere Wohnräume herzustellen. Einige dieser natürlichen Höhlen wurden durch gemauerte Vorbauten ergänzt. Auf diese Weise wurde zusätzlicher Wohnraum geschaffen.

Will man in Santa Fe den Sonnenuntergang besichtigen, so läuft man zum Aussichtspunkt "Cross of the Martyrs". Der ist zwar nicht besonders hoch, aber da Santa Fe an sich auch eher flach ist, reicht das vollkommen aus. Wie an vielen anderen Stellen auf der Welt auch, kommt man hier mit Kind und Kegel hin, macht gegebenenfalls noch ein Picknick und genießt die Aussicht. Ist die Sonne dann untergegangen, leert sich der Platz blitzschnell.





Anders als das dörflich gemütliche Santa Fe ist Albuquerque schon eine richtige Großstadt. Santa Fe hat ca. 80.000 Einwohner, Albuquerque ca. 500.000. Die Stadt verteilt sich aber, im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe, hauptsächlich auf die Fläche. Neben dem klassisch modernen Albuquerque mit Bürotürmen und den bekannten Geschäften, gibt es hier auch noch eine Altstadt. Die Gründung Albuquerques im Jahre 1706 spiegelt sich in der Architektur im pueblo-spanischen Stil seiner historischen Altstadt wieder. Über die Kopfsteinpflaster der Altstadt können Besucher zu mehr als 150 Geschäften, Galerien, Restaurants und sieben Museen schlendern. Da wir sowieso nur zwei Tage hier sind, konzentrieren wir uns darauf.








Die Kinder haben wieder einen Uni-Tag eingelegt. Um ihnen wenigstens etwas Albuquerque zu bieten, fahren wir am Nachmittag mit der Sandia Peak Aerial Tramway auf den gleichnamigen Berg. Die längste freihängende Seilbahn der Welt transportiert Besucher auf einer Länge von 4,3 km über tiefe Schluchten und atemberaubendes Terrain hinauf auf den 3.200 m hohen Sandia Peak. Von seinem ruhigen Gipfel hat man einen schönen Rundumblick auf über 40.000 km² Land. Nicht super spektakulär, aber ganz nett und es kann schließlich nicht immer "mind-blowing" sein.
Nach dem Abendessen werden wir dann noch etwas Fun einbauen. Es gibt hier eine riesige Indoor-Golf-Anlage, auf der man für wenig Geld eine Box mieten und Abschläge üben kann.





In Deutschland kennt man Albuquerque hauptsächlich vom alljährlich stattfindenden größten Heißluftballon-Festival der Welt. Dafür waren wir allerdings wenige Wochen zu früh. Albuquerque kann aber noch mit einer zweiten bekannten Sehenswürdigkeit aufwarten - der Route 66. Auch wenn der Abschnitt in Albuquerque, und damit in New Mexico, vergleichsweise recht kurz ist und die verbliebenen Relikte nicht so zahlreich, so lohnt sich doch ein Abstecher. Außerdem ist man hier natürlich dennoch Stolz auf seine Vergangenheit. Wir haben im 66 Diner zu Abend gegessen - sehr nostalgisch.









































