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Heute geht es raus aus Auckland in die Natur, was aber auch nur bedingt stimmt, da unser Tagesziel eigentlich im Zeichen der Kultur steht. Die beiden Inseln Neuseelands sind grundverschieden, während die Südinsel mit den Südalpen, den Fjorden und dem kühleren Wetter oft eher an Norwegen erinnert und recht schroff daher kommt, ist die Nordinsel tropisch, üppig grün bewachsen und sehr vulkanisch. Die Nordinsel erinnert eher an Hawaii. Und auf der Nordinsel sind die Maori deutlich stärker vertreten, als auf der Südinsel. Die Kultur der Maori wollen wir uns heute in den geschichtsträchtigen Waitangi Treaty Grounds näher bringen lassen.

Die Maori besiedelten eine der letzten unbewohnten Gegenden der Erde. Bis heute ist nicht sicher, ob sie von Polynesien aus ihre Kanus gezielt Richtung Neuseeland navigierten oder ob es der Zufall war, der sie auf der Inselgruppe im Südwestpazifik landen ließ. Auch der genaue Zeitpunkt ihrer Ankunft steht nicht fest. Wissenschaftlich gesichert ist nur, dass die Maori Neuseeland zwischen dem 8. und dem 14. Jahrhundert besiedelten. Wahrscheinlich kamen sie in mehreren Wellen aus Südostasien, genauer aus Polynesien. Die Ankömmlinge fanden ein Land vor, das genug Raum zum Siedeln bot. Sie lebten in kleinen Familiengruppen ("whanau") zusammen, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren. Aus diesen wurden im Laufe der Zeit größere Einheiten, die "hapu", die die soziale Grundstruktur der Maori-Gesellschaft bildeten. Als die Maori-Siedler herausgefunden hatten, welche Regionen ihrer neuen Heimat die fruchtbarsten waren, gab es Kämpfe um diese Gebiete. Die so ausgelösten Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen zogen sich zum Teil über mehrere Jahrhunderte in einem Kreislauf aus Gewalt und Rache hin. Denn für die Maori galt nichts höher als "mana" – ihre Ehre. 1642 war der niederländische Seefahrer Abel Tasman der erste Europäer, der neuseeländischen Boden betrat. Der Engländer James Cook bereiste und kartografierte im Jahr 1769 die Nord- und Südinsel und beschrieb die dort lebenden Menschen als "intelligent und verwegen".

Maori

Von da an kamen immer mehr europäische Siedler nach Neuseeland – vor allem Briten. Zum einen profitierten die Maori vom Kontakt mit der westlichen Welt - sie bekamen einen Eindruck eines anderen Lebensstils, lernten neue Technologien und nützliche Gegenstände kennen, wie beispielsweise Nägel. Doch die europäische Besiedlung Neuseelands hatte auch gravierende Nachteile für die Maori - die Neuankömmlinge schleppten ihre Krankheiten ein, gegen die die Einheimischen keine Abwehrstoffe besaßen und an denen sie in großer Zahl starben – beispielsweise an Grippe oder Masern.

Darüber hinaus bekamen die kriegerischen Auseinandersetzungen der Maori untereinander völlig andere Dimensionen, weil sie nun die von den Europäern mitgebrachten Gewehre einsetzen konnten. Schätzungsweise ging die Zahl der Maori in dieser Zeit um mindestens zehn Prozent zurück.

Zudem machte sich mehr und mehr Gesetzlosigkeit im Land breit – worauf die britische Krone im Jahr 1840 reagierte. Sie sandte einen Gouverneur nach Neuseeland, und am 6. Februar wurde der Inselstaat durch den Vertrag von Waitangi zu einer britischen Kolonie. Er gilt als das Gründungsdokument Neuseelands.

Waitangi Treaty Grounds
Marae - Versammlungshaus
Haus von Gouverneur William Hobson

Und hier stehen wir nun, am Ort der Gründung des Staates Neuseeland. Der Weg zum Treaty House führt durch Mangrovenwald vorbei an einem 35 Meter langen, aus zwei Kauri-Stämmen zusammengesetzten, Maori-Kriegskanu für 150 Krieger. Es wird jedes Jahr anlässlich der Feierlichkeiten zum Waitangi-Day am 6. Februar zu Wasser gelassen.

 

Auf der riesigen, gepflegten Rasenfläche vor dem Treaty House (Vertragshaus) versammelten sich am 6. Februar 1840 50 Maori-Häuptlinge und Vertreter der englischen Krone unter Führung des Generalgouverneurs William Hobson und besiegelten den Waitangi-Vertrag, in dem die Maori an die Siedler Land abtraten. Im Treaty of Waitangi sollte die Besiedlung des Landes geregelt und so schließlich die Grundlage für friedliche Beziehungen zwischen Maori und Pākehā (Nicht-Maori) geschaffen werden. Der Vertrag war aber auch ein Versuch, der zuvor erfolgten Annektierung des Landes durch die britische Krone den Anschein von Rechtmäßigkeit zu geben. Die Maori-Stämme gaben ihre Souveränität auf und sollten im Gegenzug Bürgerrechte erhalten. Hobson verfasste mit der Hilfe von James Busby und anderen Mitarbeitern sowohl den englischen Vertrag, als auch eine Maori-Übersetzung. Dem Anschein nach ist der Vertrag eindeutig, doch im Laufe der Jahre zeigten sich immer häufiger die Schwierigkeiten zweier sprachlich unterschiedlicher Versionen sowie die Folgen einer Vereinbarung zwischen zwei Völkern mit sehr unterschiedlichen Ansichten über Besitzrechte an Boden und Ressourcen.

 

Wenige Schritte vom Treaty House entfernt steht das prunkvolle Whare Runanga, ein Maori Meeting House, mit Schnitzereien und Symbolen mehrerer Maori-Stämme aus dem Northland. Eigentlich besitzt jeder Stamm seine eigene Versammlungsstätte, Marae genannt. 

Kriegs-Kanu
Kriegs-Kanu
Maori-Schnitzerei
Maori-Schnitzerei
Maori-Schnitzerei
Maori-Schnitzerei

So ein Besuch einer Maori-Stätte läuft in Neuseeland eigentlich immer gleich ab. Man wird um das Versammlungshaus gruppiert und ein Maori-Krieger tritt aus dem Haus mit einem Speer in der Hand. Er nähert sich den Besuchern langsam und kriegerisch, wobei unter anderem auch das bekannte, typische Herausstrecken der Zunge verwendet wird. Dann legt er einen Zweig zum Zeichen des Friedens auf den Gehweg vor dem Versammlungshaus, den ein vorher bestimmter (Erwachsener) Mann als symbolischer Häuptling der Pākehā (Nicht-Maori) aufhebt und damit zeigt, dass er auch friedliche Absichten hat. Anschließend kommt dann auch die Begrüßung Nase an Nase zustande. Jetzt dürfen alle Besucher ins Versammlungshaus, in dem es eine Vorführung aus Musik und Tanz der Maori gibt. Dann ist der "Spuk" zu Ende.

Man versucht uns schon glaubhaft zu versichern, dass es sich dabei um Maori-Tradition handelt, ich persönlich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass das schon alles sehr touristisch ist.

Hier in den Waitangi Treaty Grounds gibt es zumindest zusätzlich noch eine von Maoris durchgeführte Führung mit Informationen zum Ort und seiner Bedeutung, zu den Traditionen der Maori und wie die Maori heute leben bzw. was sie über den Vertrag von Waitangi denken. Das ist schon sehr interessant, da könnte ich hier noch einiges mehr schreiben, will aber ja Niemanden langweilen.

Maori-Ritual
Maori-Ritual
Maori
Versammlungshaus
Versammlungshaus
Waitangi Treaty Grounds
Maori
Maori
Es ist ein weiter Weg zum echten Maori

An der Spitze der Nordinsel befindet sich das Cape Reigna und da wollen wir heute hin. Am Cape Reinga trifft die Tasmanische See mit spektakulären Strömungen auf den Pazifischen Ozean. Am nördlichsten Ende des Kaps steht ein alter Pohutukawa-Baum, von dem man glaubt, dass er über 800 Jahre alt ist. Mündlich überlieferte Maori-Legenden erzählen, dass die Seelen verstorbener Maori von hier in den Ozean springen und sich auf ihre letzte Reise in das Heimatland ihrer Ahnen (Hawaiki) begeben. 

Für alle Nicht-Maori ist es einfach ein wunderschöner Platz mit einem Leuchtturm in spektakulärer Lage. Vom Parkplatz gelangt man über einen gut ausgebauten Wanderweg mit vielen Infotafeln hinunter zum Leuchtturm. Die Plattform ist ein beliebter Fotostopp. Hier steht auch der weithin bekannte Wegweiser in alle Welt.

Cape Reigna Lighthouse
Cape Reigna
Cape Reigna Lighthouse
Far Away
Cape Reigna Lighthouse
Cape Reigna Lighthouse

Eine weitere "Attraktion" ganz im Norden Neuseelands, und perfekt mit einem Ausflug ans Cape Reigna zu verbinden, ist der sogenannte 90-mile-beach. Von Ahipara bis Scott Point, fünf Kilometer südlich vom Cape Maria van Diemen, erstreckt sich dieser fantastische, schier endlos lange Sandstrand. Genau genommen ist der 90-mile-beach übrigens nur 88 Kilometer lang. Der Strand ist offiziell als Straße benutzbar, allerdings nur für Vierradantriebe und zu bestimmten gezeitenabhängigen Tageszeiten. Mietwagenfirmen erlauben das Befahren, vor allem aus Sicherheitsgründen, grundsätzlich nicht. Das Schöne an diesem Strand ist für uns seine Einsamkeit. Hier kann man wirklich kilometerlang Niemandem begegnen, wenn man das möchte. Wir sind auch wirklich nur ein kleines Stück auf den Strand gefahren, um dann ein paar Meter zu laufen und ein paar Bilder zu machen.

90-mile-beach
90-mile-beach
90-mile-beach
90-mile-beach

Wir sind wieder auf dem Weg in Richtung Süden. Um genau zu sein, wollen wir zur Coromandel Halbinsel und haben einen Fahrtag vor uns. Das soll uns aber natürlich nicht davon abhalten, noch einen Zwischenstopp einzulegen. Unser Ziel ist der A.H. Reed Memorial Kauri Park, ein Waldstück, in dem man die riesigen nur in Neuseeland vorkommenden Kauribäume anschauen kann. Der Park ist zwar nicht der Ort mit den höchsten Bäumen, die andernorts noch größer werden, aber er ist eben die einzige (sinnvolle) Möglichkeit Kauribäume auf unserer Route zu sehen.

Kauri-Bäume sind gewaltig – ihre unglaublich dicken, telefonmastgeraden Stämme ragen im dichten Urwald über 50 Meter auf. Ihre breiten Kronen geben unzähligen anderen Pflanzen und Tieren eine Heimat. Einige Exemplare wie Tane Mahuta, der „Gott des Waldes“ im Waipoua Forest, werden auf über 2.000 Jahre geschätzt. Tane Mahuta war auch schon groß und mächtig, als Captain James Cook 1769 die Nordinsel entdeckte. Dieser ließ damals Teile seines Schiffes mit dem haltbaren und gerade gewachsenen Holz der Kauri-Bäume ausbessern. Später folgten immer mehr Bootsbauer seinem Beispiel. Die Stämme eigneten sich wie keine anderen als Masten für Segelschiffe, wurden aber wegen der feinen Maserung auch gern für die Herstellung von Möbeln verwendet. Der Kauri ist nicht nur ein Wahrzeichen für Neuseeland, er ist ein heiliger Baum, der sogar durch den Vertrag von Waitangi, Neuseelands Staatsgründungsdokument, geschützt wird.

Der Kauribaum ist akut vom Aussterben bedroht. Ein Pilz macht ihm schwer zu schaffen. Daher müssen alle Besucher vor Betreten des Waldes mit den Schuhen durch ein Desinfektionsbad laufen und dürfen auch die Wege nicht verlassen. Der Kauri kann nur gerettet werden, wenn der Pilz ausgerottet wird.

Te Kauri
A.H. Reed Memorial Kauri Park
Kauri
Riesiger Baumfarn
Kauri
A.H. Reed Memorial Kauri Park
Riesiger Baumfarn
A.H. Reed Memorial Kauri Park
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